Deutscher Stahl vor dem Aus

05.01.2026: Deutsche Stahlindustrie steht vor ihrer tiefgreifendsten Krise
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Die deutsche Stahlindustrie steht vor ihrer tiefgreifendsten Krise seit Jahrzehnten.
Vier ungelöste strukturelle Probleme prägen die Lage: extrem hohe Strompreise,
eine unsichere Wasserstoffversorgung, steigende CO₂Kosten und ein immer
größerer Subventionsbedarf, um die angestrebte Transformation hin zu grünem
Stahl überhaupt finanzierbar zu machen.
Wenn für diese Probleme nicht sehr schnell Lösungen gefunden werden, ist die Schlussfolgerung unausweichlich: Die Roheisenherstellung in Deutschland steht
vor dem Ende. 

Ein Industriezweig unter Druck
Die wirtschaftliche Lage der deutschen Stahlindustrie zeigt ein klares Bild: Die
Branche schrumpft. Laut Wirtschaftsvereinigung Stahl lag die Rohstahlproduktion
2025 im bisherigen Jahresverlauf 9,3 Prozent unter dem Vorjahr. Die Produktion
verharrt damit auf einem Niveau, das seit Jahren als „Krisenbereich“ gilt.
Grüner Wasserstoff: das Grundproble
Der Bundesrechnungshof bestätigte in seinem jüngsten Sonderbericht diese
strukturellen Nachteile und kommt zu drei zentralen Befunden:
- Deutschland müsste drei Viertel seines Wasserstoffbedarfs importieren, um
die eigenen Ziele zu erreichen – ein unrealistisches Szenario.
- Grüner Wasserstoff bleibt viermal so teuer wie Erdgas, selbst unter optimistischen
Annahmen.
- Das geplante Wasserstoff-Kernnetz droht an mangelnder Nachfrage zu scheitern,
weil die Industrie die hohen Kosten nicht tragen kann.
Druck durch hohe Energiepreise
Deutschland hat im internationalen Vergleich  deutlich zu hohe Strompreise – und
das aus einer Reihe selbst verschuldeter Gründe:
- Die Abschaltung der Kernkraftwerke und der Rückbau von Kohlekraftwerken
haben günstige Grundlastkapazitäten beseitigt.
-Der Strommix der Energiewende verursacht hohe Systemkosten, die über
Umlagen und Netzentgelte finanziert werden. Diese Netzkosten steigen durch
den notwendigen Netzausbau weiter: Industrieunternehmen zahlen bereits im
Schnitt rund fünf Cent pro Kilowattstunde allein für Netzentgelte – ein Wert, der
sich mit dem weiteren Ausbau des Netzes noch erhöhen wird.
Industriestrompreis: Subvention statt Strukturreform
Vor diesem Hintergrund hat die Bundesregierung ein Konzept für sogenannten
Industriestrompreis vorgelegt. Doch anstatt die strukturellen Ursachen der hohen
Energiepreise anzugehen, setzt die Politik weiterhin auf staatliche Kostenüber-
nahmen. Die Maßnahme ist damit keine energiepolitische Kurskorrektur, sondern
die Fortführung einer Subventionspolitik, die Symptome kaschiert, aber keine
Probleme löst.
Hinzu kommt, dass die Regelung befristet und stark eingeschränkt ist. Viele
Unternehmen profitieren nicht.
Die Wirtschaftsvereinigung Stahl weist zudem darauf hin, dass der Industrie-
strompreis aufgrund europäischer Beihilfevorgaben für große Teile der Stahlindustrie
faktisch wirkungslos bleibt, solange er nicht mit derbestehenden CO₂-Strompreis-
kompensation kombinierbar ist.
Planwirtschaftliche Vorgaben statt marktwirtschaftlicher Lösungen
Der sogenannte Stahlgipfel Anfang November bestätigte diesen Kurs. Neben
vagen Zusagen zur Wasserstoffverfügbarkeit und zur Strompreisentlastung
wurde deutlich, dass die Bundesregierung weiterhin auf staatliche Eingriffe setzt.
Friedrich Merz knüpfte dabei nahtlos an die Linie von Robert Habeck an. 
Mit diesen Maßnahmen wird die Industrie zwar kurzfristig stabilisiert, doch die
strukturellen Probleme bleiben bestehen
. Kritiker sprechen von „Planwirtschaft
pur“. Die Welt brachte es auf die prägnante Formel„Merz ist der neue Habeck.“
Prognose: am seidenen Faden
Die Probleme haben sich nicht verbessert – sie haben sich verschärft. Energie
bleibt teuer, Wasserstoff knapp, internationale Konkurrenz stark. Für die deutsche
Stahlindustrie bedeutet das: Die Zukunft der Grundstoffproduktion hängt am
seidenen Faden staatlicher Subventionen.
Mit diesen Weichenstellungen werden in Deutschland weite Teile der Stahl-
wie auch der gesamten Grundstoffindustrie zwangsläufig verloren gehen, weil
die Regierung ihren grundlegenden Kurs in der Energiepolitik nicht ändert.
Diese Entwicklung lässt sich auch durch Subventionen nicht aufhalten. Der
Staat kann eine strukturell unwirtschaftliche Branche nicht dauerhaft stützen.
Milliardenhilfen mögen kurzfristig stabilisieren, doch sie lösen die grund-
legenden Probleme nicht.
Daraus folgt: Ohne eine grundlegende Wende in der Energiepolitik ist
die Roheisenherstellung in Deutschland nicht mehr zukunftsfähig.
Wenn die Politik ihren Kurs fortsetzt, müssen erhebliche finanzielle
Ressourcen in die Bewahrung des Know-hows fließen, damit die
Stahlindustrie wenigstens als Veredler überleben kann. Andernfalls
droht der vollständige Verlust einer Schlüsselbranche – wie bereits
in anderen Bereichen der grünen Transformation zu beobachten.